HPF-Pumpe abdichten

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Übersicht

Kurzbeschreibung Abdichtung der HPF-Pumpe.
Alle Positions- und Richtungsangaben erfolgen in Fahrtrichtung, sofern nicht weiter spezifiziert!
Schwierigkeitsgrad einfach mittel schwer Dauer
Hilfsperson keine Erleichterung unbedingt erforderlich 1 - 2 Stunden
Ressourcen Standardwerkzeuge Sonderwerkzeuge
  • große Einwegspritze (Apotheke)
  • Lappen
  • Auffanggefäß
  • Radialdichtring für Pumpe A0049970147
  • 1 x O-Ring 54x2 Viton Shore 80 (Fachhandel)
  • 2 x O-Ring 62x2 Viton Shore 80 (Fachhandel)
  • Ggf. Papierdichtung A1142360080
  • Transparenter Schlauch, 8mm
  • Ringschlüssel SW17, SW22
  • Inbusschlüssel SW5
  • Ggf. Drehmomentschlüssel

Sicherheit

keine besonderen Gefahrenquellen.

Einleitung

Die HPF-Pumpe versorgt die Federungsanlage mit dem benötigten Druck. Es handelt sich um eine sog. Radialkolbenpumpe, sie leistet über 200bar. Sie wird vom Motor direkt über einen Mitnehmer angetrieben. Die Pumpen für HPF und Niveauregulierung (NR) sehen äußerlich identisch aus, die NR-Pumpe liefert aber für ein HPF-Fahrzeug nicht genügend Druck und kann daher nicht verwendet werden. Erkennbar sind die HPF-Pumpen an der Gravur „HPF-EK“, gefolgt von der Jahreszahl, auf dem Deckel (EK=Energiekonzept von 1981. Ab da wurde die verbesserte Version der HPF-Pumpe verwendet.) Generell können alle HPF-Pumpen in allen HPF-Fahrzeugen unabhängig vom Baujahr verwendet werden. Die alte Teilenummer für HPF-Pumpen lautete A1162300564, mittlerweile ersetzt durch A1172300064. Mercedes sieht keine Überholung der Pumpe vor und warnt ausdrücklich vor dem Öffnen der Pumpe, da sie dann nicht mehr dicht sei. Da Undichtigkeit in der Regel der Grund für die ganze Aktion ist, können wir in diesem Falle den Hinweis außer Acht lassen. Meist werden Pumpen wegen Undichtigkeiten zur Überholung fällig. Im eingebauten Zustand kann nicht festgestellt werden, ob ein O-Ring undicht geworden ist oder ob das Gehäuse einen Haarriss hat. Man kann sich eine Vorrichtung bauen, um die Pumpe außerhalb des Fahrzeugs auf Dichtigkeit zu prüfen. Dazu an anderer Stelle später mehr. Die Pumpe befindet sich vorn am Motor unterhalb der Riemen für die Servolenkung:

HPF - 1.png

So sieht die Pumpe im ausgebauten Zustand aus:

HPF - 2.png

Arbeitsfolge

Ausbau der Pumpe

  • Motorhaube öffnen.
  • Auffangwanne unter Motor schieben
  • Um zu verhindern, dass der komplette Vorratsbehälter leerläuft, diesen mit einer Spritze leeren und das Öl in einem absolut sauberen Gefäß aufbewahren.
  • Kühlerverkleidung lösen, anheben
  • Viscolüfter ausbauen
  • Umlenkrolle für Klima-Riemen ausbauen (nicht unbedingt nötig, erleichtert aber die Zugänglichkeit)
  • Druckleitung abschrauben. Diese befindet sich auf 9 Uhr an der Pumpe. Für den späteren Einbau empfiehlt es sich, den Halter dieser Leitung am Motorgehäuse zu lösen, um Beweglichkeit zu gewinnen.

HPF - 3.png

  • Saugleitung abschrauben, diese befindet sich auf 12 Uhr. Wie bei der Druckleitung sollte auch hier der Halter der Leitung gelöst werden.

HPF - 4.png

  • die vier Inbusschrauben zur Befestigung der Pumpe am Motor lösen.
  • ACHTUNG: Noch nicht die 2 Schrauben auf 10 und 16 Uhr lösen, diese halten den Pumpendeckel.
  • Pumpe abnehmen.
  • ACHTUNG: Darauf achten, dass der Mitnehmer nicht herunterfällt.
  • ACHTUNG: Von der Rückseite der Pumpe ein Foto machen, um die richtige Stellung des Mitnehmers für den Einbau festzuhalten.

Abdichtung der Pumpe

  • Schrauben am Pumpendeckel lösen, Deckel abnehmen

HPF - 5.png

  • Zu sehen ist der Pumpenkörper, der noch im Gehäuse steckt. Der Mitnehmerzapfen ist bereits herausgezogen. Der sichtbare O-Ring dichtet gegen den Deckel ab (54x2).
  • Die Pumpe mit der Öffnung nach unten gegen einen Schraubstock schlagen/klopfen, Backen des Schraubstocks so öffnen, dass dabei das Pumpeninnenteil herausfallen kann.
  • Das Innenteil komplett zerlegen und reinigen:

HPF - 6.png

  • Teile auf Verschleiß prüfen, insbesondere:
    • Zapfen und Kolben: Laufspuren und Riefen
    • Pumpengehäuse: Haarrisse
  • O-Ringe am Innenteil (seitlich) tauschen (62x2)
  • O-Ringe am Boden des Gehäuses tauschen (62x2)
  • Simmering am Gehäuse tauschen
  • Pumpe zusammenbauen.
  • ACHTUNG: Auf peinlichste Sauberkeit achten, Schmutz kann in der Pumpe fatale Folgen nach sich ziehen.
  • Den Simmering und Zapfen mit HPF-Öl benetzen, ebenso den O-Ring am Innenteil. Beim Zusammenbau lässt sich das Innenteil nur schwer wieder ins Gehäuse drücken, daher Innenteil und Gehäuse im Schraubstock verpressen.
  • ACHTUNG: Lappen oder Hölzer an den Backen unterlegen.
  • Anzugsdrehmoment der Inbusschrauben: Von Mercedes keines angegeben, ich empfehle die 11 Nm, die auch bei den anderen Schrauben am Deckel vorgeschrieben sind.
  • ACHTUNG: Bei zu hohem Drehmoment besteht die Gefahr, dass das empfindliche Gehäuse reißt

Einbau der Pumpe

  • Die alte Papierdichtung ist häufig an der Rückseite der Pumpe festgeklebt. Sie kann wiederverwendet werden, ich hatte an dieser Stelle noch nie eine Undichtigkeit entdeckt. Ansonsten Papierdichtung mit Klebestift am Gehäuse justieren, damit sie beim Einbau nicht herunterfällt. Mitnehmer auf den Zapfen stecken. Diesen mit HPF-Öl benetzen, damit er ein wenig am Zapfen haftet und nicht beim Einbau herausfällt.
  • Pumpe ansetzen, ggf. die Saug- und Druckleitung mit einem Stück Kabel hochbinden, damit sie nicht im Weg sind.
  • Pumpe anschrauben, über Kreuz anziehen, Drehmoment 11Nm beachten. Vor allem die Pumpendeckel vor 1981 brechen sehr leicht (ab 1981 verstärkter Deckel).
  • ACHTUNG: Bei zu hohem Drehmoment besteht die Gefahr, dass das empfindliche Gehäuse reißt
  • Druckleitung befestigen, 25 Nm. Saugleitung befestigen (15 Nm). Auch hier das Drehmoment beachten. Da aus Platzgründen kein Drehmomentschlüssel verwendet werden kann, besser zunächst wenig mehr als handfest anziehen. Sollte sich bei Probelauf eine Undichtigkeit zeigen, vorsichtig nachziehen.
  • Fixierungen der beiden Leitungen am Motorgehäuse festziehen.
  • Riemenspanner befestigen, Keilriemen für Klima spannen.
  • Druckleitung am Druckregler abschließen:

HPF - 7.png

  • Auf das Gewinde des Schlauches transparenten Schlauch aufschieben und diesen in den Vorratsbehälter legen
  • Motor laufen lassen, bis Öl blasenfrei austritt
  • Druckleitung anschließen (30 Nm).
  • Viscolüfter einbauen
  • Kühlerverkleidung montieren.
  • Ölstand prüfen und ggf. richtigstellen.

Ergänzende Hinweise

Beschreibung und Bilder freundlicherweise von Michael (Dorian im W126-Forum) zur Verfügung gestellt.